Liebesentzug für Verlierer

Köln/München. Nach der empfindlichen Wahlschlappe für die Rechtsaußen-Wahlliste „Pro München“ müssen die verhinderten Kommunalpolitiker derbe Kritik von der Mutter-Gruppierung „Pro Köln“ einstecken. Als „schweren strategischen Fehler“, der zum Scheitern verurteilt gewesen sei, bezeichnete die rechte Truppe vom Rhein den Wahlantritt der Gesinnungsfreunde an der Isar.

Ein „Wahldesaster“ konstatierte „Pro München“ am Tag nach der Wahl, doch nicht etwa das eigene Ergebnis von nur 0,9 Prozent der Stimmen war gemeint, mit dem die Liste den Einzug in den Münchner Stadtrat deutlich verfehlte. Statt des eigenen Debakels jammerten die Gescheiterten über die Gewinner der Wahl und über die vermeintlich verschwundenen Stimmen, die die CSU abgeben musste: „Die CSU verlor über 8%. Wo sind die 8 % hin?“

Jedenfalls erschienen sie nicht auf dem Wahlkonto von „Pro München“, wo sogar bange Befürchtung geäußert wurde, auf das falsche Wahl-Thema gesetzt zu haben. Vor allem auf eine Kampagne gegen den Islam hatten die Rechtsaußen-Münchner gesetzt, doch das Wahlvolk wollte ihnen offenbar nicht folgen: „In Sendling, dort wo die Grossmoschee gebaut werden soll, wurde die SPD mit über 40% zur stärksten Partei gewählt, in Partnerschaft mit den anderen Linksgruppierungen (Linke, Grüne) gewannen sie auch dort stark prozentual“, klagte die Gruppe heute.

Nach dem Tiefschlag des gestrigen Wahltages, bei dem „Pro München“ hagelte es dann auch noch Schelte von der vermeintlich eigenen Seite. In einer Pressemitteilung ließ Markus Beisicht, der Chef der sich gerne als rechtspopulistisch gebärdenden „Pro Köln“ und „Pro NRW“, seinem Ärger freien Lauf: Der Antritt zur Münchner Wahl sei der Versuch „einiger weniger“ gewesen, das „Erfolgsmodell Pro-Köln“ auszuweiten. Zum Scheitern sei das Projekt verurteilt gewesen, weil man weder „ausreichende Vorarbeiten“ geleistet noch über die „notwendigen personellen und materiellen Ressourcen“ verfügt habe, berichtete die neurechte Junge Freiheit über die Beisicht-Tirade. Im „rechten Ghetto“ sei die Münchner Gruppe stecken geblieben.

Zwar hatte Beisicht selbst nichts zum „Pro München“-Wahlkampf beigetragen, doch seine Parteikollegen Judith Wolter, Manfred Rouhs und Markus Wiener hatten sich mehrfach nach Süden aufgemacht, um den Nachahmern an der Isar auf die Beine zu helfen. Rouhs betreibt bereits seit längerem die Expansion des „Pro Köln“-Modells und ist der Motor und Vorsitzender einer „Bürgerbewegung pro Deutschland“.

Damit hat Rouhs sich jedoch schon mehrfach in Gegensatz zu Beisicht gesetzt, der sich auch mittelfristig auf Köln und Nordrhein-Westfalen konzentrieren will. Dabei steckt Beisicht seinen Horizont durchaus weiter, wenn er das Bündnis mit dem belgischen „Vlaams Belang“ und der österreichischen FPÖ sucht. Aber Erfolg ist offenbar die wichtigste Währung in der Welt von „Pro Köln“, und Verlierer wie „Pro München“ passen daher nicht ins Bild.

Doch auch Rouhs schloss sich im Namen seines Vereins „pro Deutschland“ der Verlierer-Schelte an. Noch am Wahlabend wurde die Münchner Gruppe im Tonfall eines Teamleiters einer Drückerkolonne heruntergeputzt: Wahlerfolge könnten nur dort erzielt werden, „wo es gelingt, einen prozentual meßbaren Bevölkerungsanteil, der unsere Petitionen unterschreibt und weitere Informationen anfordert, an uns zu binden und in gewissen zeitlichen Abständen mit Direktwerbemitteln zu beliefern.“ Eine „Nicht-Präsenz in den Massenmedien“ müsse „durch eigene Medien ausgeglichen werden, die nicht erst kurz vor der Wahl an jedermann, sondern über lange Zeit an den eigenen Unterstützerkreis gerichtet werden“. Daher seien Wahlteilnahmen nur dort mit Aussicht auf Erfolg möglich, „wo der im Laufe der Zeit erarbeitete Unterstützerkreis mehrere Prozent der Wahlbevölkerung umfaßt“.

Da scheint dem „Pro Deutschland“-Chef Rouhs wohl die eigene Geschichte entfallen zu sein, denn auch „Pro Köln“ war zur Oberbürgermeisterwahl in der Rheinmetropole im Jahr 1999 mit 0,3 Prozent abgefertigt worden. Fünf Jahre später erzielte sie bei den Stadtratswahlen 4,7 Prozent und zog mit vier Vertretern in den Stadtrat ein. Rouhs entwarf ein marketing-mäßig anmutendes Kampagnenmodell für Nachahmer-Gruppen, die mit Petitionen und Flugblatt-Aktionen für Kommunalwahlen „marktreif“ gemacht werden sollten. „Der Erfolg des Ratseinzuges ist nach diesem Verfahren sicher, die Fraktionsbildung wahrscheinlich“, verhieß Rouhs den nach Erfolg lechzenden Rechten im Lande.

Da an diesem Konzept natürlich nichts verkehrt sein kann, müssen die Gründe für die Münchner Wahlpleite dort zu suchen sein. Er lasse es jetzt nicht zu, dass das Wahlergebnis von München nun „Pro Köln“ und „Pro NRW“ angelastet werde, sagte Beisicht der Jungen Freiheit. Offenbar fürchtet er den Geruch des Verlierers, der ihm als Siegertyp den Garaus machen würde – denn im Herbst nächsten Jahres muss er sich mit „Pro Köln“ und „Pro NRW“ im nordrhein-westfälischen Kommunalwahlkampf beweisen.

Quelle: redok.de