prominenter Auschwitzleugner zu „pro NRW“

Solingen. Der Solinger Bauunternehmer Günther Kissel ist in den Rechtsaußen-Verein „pro NRW“ eingetreten. Der 90-jährige Kissel ist seit Jahren als Holocaustleugner und Förderer der rechten Szene bekannt.

Kissel hatte schon vor Jahren den Holocaustleugner David Irving zu einem Vortrag auf seinen Bauhof eingeladen und den früheren SS-Sonderführer Thies Christophersen (Verfasser von „Die Auschwitz-Lüge“) verteidigt. Laut Gerichtsurteil von 1997 durfte ein Redakteur einer Solinger Zeitung Kissel als „Auschwitzleugner“ und „rechtsextremistischen Drahtzieher“ bezeichnen.

Eng verbunden ist Kissel seit langem mit Ursula Haverbeck-Wetzel und damit auch ihrem „Collegium Humanum“ (Vlotho). Gute Kontakte hat Kissel auch zu dem ebenfalls dort in Vlotho ansässigen „Verein Gedächtnisstätte“, der im sächsischen Borna eine „Gedenkstätte“ für die „Opfer des zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und Gefangenenlager“ errichten will, die nach Lesart des Vereins jedoch ausschließlich Deutsche sind. Für sie sollen zwölf „Gedenksteine“ errichtet werden, die die ehemaligen deutschen „Gaue“ im Osten repräsentieren.

In einer zu seinem 90. Geburtstag geschriebenen Rede schwadronierte Kissel in bekannten antisemitischen Phrasen: „Durch diese Entscheidung Adolf Hitlers wurde jedoch die Macht der amerikanischen Ostküste in Frage gestellt, bzw. gebrochen.“ Den Redetext hatte Kissel der Einladung zu dieser Geburtstagsfeier im Januar 2007 beigelegt. Zu der Feier erschienen jedoch nicht nur bekannte Holocaustleugner und Personen aus der rechtsextremen Szene erschienen, sondern auch namhafte Vertreter der Solinger Kommunalpolitik, angeführt vom Oberbürgermeister Franz Haug (CDU) und SPD-Fraktionschef Ernst Lauterjung.

Innerhalb der extremen Rechten hatte Kissel Unmut erregt, weil sein Unternehmen als Baufirma bei der Errichtung einer Moschee in Duisburg tätig ist. Landesbauminister Oliver Wittke (CDU) hatte beim Richtfest positiv hervorgehoben, „dass eine Firma aus Solingen – der Stadt des Brandanschlags – für den Rohbau der Moschee und der Begegnungsstätte verantwortlich“ sei. Kissel hatte früher den Solinger Brandanschlag vom Mai 1993, dem fünf Menschenleben zum Opfer fielen, als „Türkenbrand mit Todesfolgen“ bezeichnet.

Über den erfolgreichen Bauunternehmer wusste das nordrhein-westfälische Innenministerium im Jahre 2001: „Kissel ist auch als Spender für rechtsextremistische Parteien bekannt geworden.“ Möglicherweise spekuliert auf solche Zuwendung durch den Moschee-Bauer Kissel auch der Verein „Pro NRW“, der aus der im Kölner Stadtrat vertretenen Gruppe „Pro Köln“ heraus entstanden ist. „Pro Köln“ hat ironischerweise vor allem durch eine Dauer-Kampagne gegen den Bau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld auf sich aufmerksam gemacht.

Die Gruppe um Manfred Rouhs (früher Mitglied bei NPD, „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ sowie „Republikaner“) und Markus Beisicht pflegt über NRW hinaus auch einen Verband namens „Pro Deutschland“. Sie wehrt sich zwar heftig gegen die Bezeichnung als „rechtsextrem“ und gegen die Erwähnung in Verfassungsschutz-Berichten. Mit der stolz verkündeten Aufnahme von Kissel bei „Pro NRW“ dürfte es aber nicht einfacher werden, sich als verfassungstreue rechtspopulistische Bewegung zu präsentieren.

Quelle: Redok 16.08.2007