Antifaschistischer Sonntagsspaziergang


Am Sonntag den 25.März 2007 hatte die vor kurzem in Leverkusen gegründete extrem rechte „Bürgerbewegung pro NRW“ zu einer Art Landesparteitag in den Dormagener Stadtteil Nievenheim eingeladen. Zwischen 100 und 150 Ewig gestrige folgten der Einladung in das Gasthaus „Zum Anker“. Ungestört verlief ihre Zusammenkunft allerdings keineswegs. Außer ihnen hatten sich nämlich auch mehr als 150 AntifaschistInnen und eine Hundertschaft Berufsdemonstranten auf den Weg in das 10.000 Einwohner zählende Dörfchen gemacht.
Als die 150-200 Antifas aus den umliegenden Städten gegen 15 Uhr am Nievenheimer Bahnhof eintrafen, wurden sie dort bereits von mehreren Einsatzwagen mit gepolsterten BereitschaftspolizistInnen erwartet. Diese hatten sich anscheinend spontan dazu entschieden sich dem Protest gegen die extrem rechte Veranstaltung des „pro Köln“-Ablegers „pro Nordrhein Westfalen“ anzuschließen. Und so zog man wenige Minuten später gemeinsam über die Hauptverkehrsstraße Richtung Veranstaltungsort. AnwohnerInnen und die InsassInnen vorbeikommender PKW´s schauten erst etwas verdutzt als ihnen die Demo entgegen kam[es war wohl die erste Demo überhaupt im Ort], wurden aber sogleich durch verschiedene Flugblätter über den Grund des Aufzugs aufgeklärt und schlossen sich teilweise auch den DemonstrantInnen an. Als diese etwa 20 Minuten später am Anker eintrafen, kam es allerdings zu ersten Unstimmigkeiten unter den bunt gemischten TeilnehmerInnen: Ein Teil, der vor allem durch seine martialisch anmutende Kampfmontur, die teilweise Vermummung und die aktive Bewaffnung auffiel, hatte eine andere Auffassung davon wie dicht der Protest an die extrem rechte Veranstaltung heran getragen werden sollte. So kam es zu ersten Rangeleien mit den grünen BerufsdemonstrantInnen. Die Lage beruhigte sich jedoch bald und mensch positionierte sich hinter grünen Absperrgittern, welche die Damen und Herren in grün vorsichtshalber mitgebracht hatten. Um das Geschehen sammelten sich immer mehr AnwohnerInnen und auch die Anzahl der Menschen, die der Einladung von „pro NRW“ zum Thema „Von pro Köln über pro NRW in den Landtag 2010?“gefolgt waren, wurden immer mehr. Unverständlicherweise verschwand ein Großteil von ihnen schnellstmöglich in die Räumlichkeiten von Peter Schönewald, [dem Betreiber und Besitzer des Gasthauses „Zum Anker“ in der Hindenburgstr. 5 in Dormagen/Nievenheim]. Andere blieben jedoch stehen um sich von den AntifaschistInnen mit Namen und netten Sprüchen begrüßen zu lassen. Man machte Erinnerungsfotos und tauschte Nettigkeiten aus. Auch etwa 20 AnhängerInnen der lokalen Jusos wollten am vergangenen Sonntag in Dormagen dabei sein. Für eine Teilnahme an einer der beiden Veranstaltungen konnte man sich aber irgendwie nicht entscheiden. Man war sich anscheinend nicht sicher, ob man politisch eher rechts oder links steht und so meldeten die so genannten JungsozialistInnen 2 Tage vorher eine eigene „Mahnwache ohne Transparente, Redebeiträge und Musik“ an. Aus Trotz verhielten diese Personen sich allerdings sehr unsolidarisch besonders den angereisenden AntifaschistInnen gegenüber, man wollte Menschen aus diesen Kreis später nicht einmal an ihrer kleinen Veranstaltung Teilnehmen lassen. Die Antifas störte das allerdings wenig, sie verlassen Redebeiträge, unterhielten sich mit AnwohnerInnen und steckten mehr als 2000 Flugblätter in die Briefkästen der Umgebung, zu kurz kamen Björn Clemens, Markus Beisicht und die anderen Rechtsextremen dabei allerdings keineswegs. Irgendwann wurde es Damen und Herren in grün allerdings zu langweilig, man wollte mehr Action in die Runde bringen und versuchte die AntifaschistInnen von der Kreuzung zu drängen, diese fühlten sich dort allerdings recht wohl und sahen keinen Grund zu gehen. Darauf hin verloren die Bullen die Beherrschung und sprühten wild mit CS Gas um sich hierbei kollabierte eine Antifaschistin und zwei weitere wurden in Gewahrsam genommen. Was der Sinn dieser Aktion seien sollte war allerdings keinen der Anwesenden klar, denn als die DemonstrantInnen weg waren parkten die unzählige Autos die Kreuzung zu und Fahrzeuge konnten diese immer noch nicht passieren. Überhaupt bekleckerten sich die Staatsdiener bei ihren Einsatz nicht sonderlich mit Ruhm, beim umparken der Fahrzeuge baute man erst einen Auffahrunfall und wenige Minuten spätere fuhr der Kamerawagen mit eben dieser vor ein deutlich gekennzeichnetes Straßenschild. Nachdem alle Rechtsextremen in der Kneipe verschwunden waren und die Antifas keine Lust mehr hatten sich mit Jusos und Bullen auseinander zusetzen, gingen sie geschlossen und lautstark „heute ist nicht aller Tage wir kommen wieder keine Frage“ rufend Richtung Bahnhof zurück.